Probiotika werden heutzutage überall beworben – und tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass sie in der Schwangerschaft sinnvoll sein können. Denn Probiotika können erwiesenermaßen einen signifikanten Beitrag zu einer unkomplizierten, gesunden Schwangerschaft und Kindesentwicklung leisten. Studien zeigen unter anderem mögliche Zusammenhänge mit einem geringeren Risiko für Frühgeburt und Präeklampsie, vaginale Infektionen, Schwangerschafts-diabetes sowie mütterliche und kindliche Gewichtszunahme und allergische Erkrankungen.1 Eine Studie mit einem Multispezies-Probiotikum zeigte außerdem eine deutliche Besserung der Verdauungsbeschwerden, sowohl bei der werdenden Mutter hinsichtlich Verstopfung und Blähungen als auch beim Neugeborenen in Bezug auf die 3-Monats-Koliken.2
Das Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle für das Immunsystem, indem es u.a. Bakterien die Bildung von Interleukinen (Botenstoffe) anregt. In einer Studie mit einem Multispezies-Probiotikum konnte genau solch ein positiver Effekt auf das Immunsystem bewiesen werden (Wiederherstellung der TH1/ TH2-Balance = vereinfacht ausbalancierten Immunsystems) und dadurch nachweislich das Auftreten von allergischen Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern um mehr als 70% reduzieren.3 Eine weitere Studie mit einem Multispezies-Probiotikum konnte die Entwicklung von Ekzemen bei Neugeborenen um 70% reduzieren.4
Ist Probiotikum gleich Probiotikum – wirken alle Probiotika gleich gut?
Du fragst dich vielleicht, ob Probiotika wirklich wirken oder ob sie nur teuer sind und wenig bringen. Darauf gibt es kein einfaches Ja oder Nein. Tatsächlich ist die Frage oft zu allgemein gestellt. Genauer müsste man fragen: Welcher Bakterienstamm wirkt bei welchem Menschen, in welcher Dosierung, bei welcher Erkrankung und über welchen Zeitraum?
Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Studienlage zu Probiotika teilweise uneinheitlich ist, liegt darin, dass „Probiotika“ keine einheitliche Therapie darstellen. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine sehr heterogene Gruppe von Mikroorganismen und Präparaten – darunter auch Produkte, deren Nutzen wissenschaftlich kaum untersucht ist.
Die Wirkung von Probiotika ist stammspezifisch. Das bedeutet, dass unterschiedliche Bakterienstämme unterschiedliche Eigenschaften und Wirkmechanismen besitzen. So wirkt beispielsweise ein Lacticaseibacillus rhamnosus GG nicht automatisch genauso wie ein Lactiplantibacillus plantarum 299v. Probiotika miteinander zu vergleichen ist daher ähnlich, als würde man alle Medikamente in einen Topf werfen und fragen, ob „Medikamente“ wirken. Auch da gibt’s ja bekanntlich solche und solche bzw. auch hier hängt die Wirkung entscheidend vom jeweiligen Wirkstoff ab.
Hinzu kommt, dass sich die Studien häufig in vielen weiteren Punkten unterscheiden: Verwendete Bakterienstämme, Dosierungen, Einnahmedauer, Qualität der Präparate und die Zusammensetzung des individuellen Darmmikrobioms variieren erheblich. Deshalb lassen sich die Ergebnisse einer Studie nicht ohne Weiteres auf andere Probiotika übertragen.
Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass die Wirkung von Probiotika stammspezifisch ist und nicht alle Probiotika über einen Kamm geschert werden sollten.
Daher haben wir für dich hier ein paar Kriterien für sich zusammengetragen, woran du ein gutes Probiotikum erkennst:
5-Punkte-Checkliste: Woran erkenne ich ein gutes Probiotikum?
1. Bakterienstämme & Konzentration
- Enthält definierte und klar benannte Bakterienstämme (z. B. Lactobacillus rhamnosus GG statt nur „Lactobacillus“)
- Besonders empfehlenswert Multi-Stamm-Probiotika mit Lactobazillen und Bifidus-Bakterien oder Sporen basierte Bakterienstämme
- Zusatz von Präbiotika (Ballaststoffen, z. B. Inulin, FOS) kann die Wirkung verstärken
- Ausreichende Konzentration: mind. 1 Mrd. CFU/ koloniebildenden Einheiten pro Tagesdosis
2. Stabilität & Haltbarkeit/ Schutz & Freisetzung
- Garantierte CFU-Zahl bis zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums (nicht nur „bei Herstellung“)
- Angabe, ob Kühlung erforderlich ist oder ob eine raumstabile Formulierung vorliegt
- Kapsel/Matrix ist magensäure- und gallensalzstabil, damit die Bakterien den Darm erreichen
3. Qualität & Reinheit
- Frei von unnötigen Zusatzstoffen (Füllstoffe, Konservierungsmittel, Farbstoffe wie z. B. Titandioxid, synthetische Süßstoffe)
- GMP- oder ISO-zertifizierte Herstellung
- Frei von Gluten, Laktose, Soja, Gentechnik
4. Einnahme & Anwendung
- Klare Angabe zur Tagesdosis und Einnahmeempfehlung (z. B. nüchtern oder zu einer Mahlzeit)
5. Seriöser Hersteller
- Transparente Angaben zu Stämmen, Mengen, Einnahme, Haltbarkeit
- Hersteller verweist auf konkrete Studien, nicht nur Werbeaussagen
- Hersteller mit medizinisch-wissenschaftlichem Hintergrund, nicht nur Lifestyle-/Marketingprodukt
Für konkrete Empfehlungen kannst du uns gern eine Email schreiben.
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FAQ:
Sind Probiotika in der Schwangerschaft sicher?
Ja. Die meisten untersuchten Probiotika gelten für gesunde Schwangere als gut verträglich und sicher. Schwere Nebenwirkungen wurden in Studien nur sehr selten beobachtet.
Können Probiotika Schwangerschaftsbeschwerden lindern?
Möglicherweise. Einige Studien deuten darauf hin, dass Probiotika die Darmgesundheit unterstützen und Beschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder Verdauungsprobleme positiv beeinflussen können.
Können Probiotika Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?
Die Studienlage ist noch nicht eindeutig. Einige Untersuchungen zeigen positive Effekte auf die Blutzuckerregulation und Insulinsensitivität, andere konnten dies nicht bestätigen.
Können Probiotika Allergien beim Baby verhindern?
Es gibt Hinweise, dass bestimmte Probiotika das Risiko für Neurodermitis (atopische Dermatitis) beim Kind senken könnten. Der Effekt scheint jedoch von den verwendeten Bakterienstämmen abzuhängen.
Wann sollte ich mit der Einnahme beginnen?
Je nach Zielsetzung kann die Einnahme bereits in der Kinderwunschphase begonnen werden. Die optimale Dauer hängt vom jeweiligen Präparat und Anwendungsgebiet ab.
Ist jedes Probiotikum gleich wirksam?
Nein. Die Wirkung von Probiotika ist stammspezifisch. Nicht jeder Bakterienstamm hat die gleichen Eigenschaften oder wurde für die gleichen Anwendungsbereiche untersucht.
Sind Multi-Stamm-Probiotika besser als Einzelstamm-Probiotika?
Nicht unbedingt. Sowohl Einzelstamm- als auch Multi-Stamm-Probiotika können wirksam sein. Entscheidend ist, ob die enthaltenen Stämme für den gewünschten Anwendungsbereich untersucht wurden.
Sollten Probiotika nüchtern oder zu einer Mahlzeit eingenommen werden?
Das hängt vom jeweiligen Produkt ab. Viele Hersteller empfehlen die Einnahme zu einer Mahlzeit oder kurz davor, da dies das Überleben der Bakterien während der Magenpassage unterstützen kann.
Können Probiotika Nebenwirkungen verursachen?
Zu Beginn der Einnahme können vorübergehend Blähungen, Völlegefühl oder Veränderungen des Stuhlgangs auftreten. Diese Beschwerden verschwinden meist nach wenigen Tagen wieder.
Brauche ich in der Schwangerschaft überhaupt ein Probiotikum?
Nicht jede Schwangere benötigt ein Probiotikum. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten unterstützt das Darmmikrobiom bereits sehr effektiv. Probiotika können in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzen jedoch keine ausgewogene Ernährung.
Quellen:
- Perna, A.; Venditti, N.; Merolla, F.; Fusco, S.; Guerra, G.; Zoroddu, S.; De Luca, A.; Bagella, L. Nutraceuticals in Pregnancy: A Special Focus on Probiotics. Int. J. Mol. Sci. 2024, 25, 9688. https://doi.org/ 10.3390/ijms25179688 ↩︎
- Hofmann H Probiotikum gegen Verdauungsbeschwerden in der Schwangerschaft und Säuglingskoliken. Gynäkologie aktiv 5, 8-9 (2015). ↩︎
- https://doi.org/10.1111/j.1365-2249.2007.03421.x ↩︎
- Allergy. 2020 Oct;75(10):2719. doi: 10.1111/all.14312. ↩︎