Kann Putzen mit den falschen Mitteln gefährlich sein?
Wenn das Fazit einer Studie ist, dass 20 Jahre putzen die Lunge ähnlich schädigt wie jeden Tag 20 Zigaretten1 – dann bekommt man es wahrscheinlich mit Angst zu tun. Und sie schaden sicherlich nicht nur der Lunge, sondern können auch potenzielle weitere Gesundheitsrisiken in sich bergen.
Analysen von mehreren hundert professionell eingesetzten Reinigungsprodukten zeigen, dass ein erheblicher Teil Stoffe enthält, die Augen, Haut oder Atemwege reizen können. Viele Produkte tragen Warnhinweise zum Tragen von Handschuhen, Schutzbrillen oder Atemschutz. Besonders chlorhaltige Reiniger, Desinfektionsmittel, Ammoniakverbindungen und stark saure oder alkalische Produkte werden mit Reizungen der Atemwege, Allergien und einem erhöhten Asthmarisiko in Verbindung gebracht.2 Teilweise landen die Reste dann noch im Abwasser bzw. im Grundwasser – also genug Gründe, um auf natürliche bzw. schadstoffarme Putzmittel zu setzen und generell beim Putzen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Oder vielleicht auch ein Grund, dem werdenden Papa die Putzaufgabe zu übertragen.
Worauf sollte man bei Putzmitteln in der Schwangerschaft achten?
1. Chlorhaltige Reiniger möglichst vermeiden
Dazu gehören Natriumhypochlorit, Chlorbleiche sowie viele WC-Reiniger und Schimmelentferner. Denn sie können zu einer starken Reizung von Augen und Atemwegen führen und bei falscher Anwendung können sich potenziell reizende Chlorgase bilden, was besonders bei empfindlichen Personen Asthma bzw. Atemwegsbeschwerden auslösen bzw. verschlimmern kann. Insbesondere sollten Chlorreiniger niemals mit Essig, Zitronensäure oder anderen Säuren gemischt werden.
2. Stark parfümierte Produkte reduzieren
Für die Reinigungswirkung sind Duftstoffe völlig unnötig, aber leider nicht ungefährlich. Denn zum einen sind sie häufige Kontaktallergene, zum anderen können sie die Raumluft belasten und teilweise mit Ozon zu sekundären Schadstoffen (z. B. Formaldehyd, ultrafeine Partikel) reagieren. Achte auf Inhaltsstoffe wie Parfum/Fragrance sowie Duftstoffe wie Limonene, Linalool, Citral oder Geraniol.
3. Desinfektionsmittel nur bei Bedarf verwenden
Denn sie können Inhaltsstoffe wie Benzalkoniumchlorid, Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) oder andere quartäre Ammoniumverbindungen (QAV) enthalten. Diese können Haut und Atemwege reizen und mögliche Auswirkungen auf das Mikrobiom der Wohnumgebung haben. Im Privathaushalt reicht meist normales Reinigen aus.
4. Lösungsmittelhaltige Reiniger meiden
Insbesondere Glykolether, Ethanolamine, Isopropanol in hohen Konzentrationen und Lösungsmittelmischungen finden sich häufig in Backofenreinigern, Fettlösern sowie Industriereinigern. Sie sind leicht flüchtig, können reizend wirken und zu einer inhalativen Belastung führen.
5. Sprühreiniger möglichst vermeiden
Unabhängig vom Inhaltsstoff können beim Sprühen feine Aerosole entstehen, die eingeatmet werden und die Atemwege reizen. Studien zeigen, dass die regelmäßige Nutzung von Reinigungssprays mit einer stärkeren Abnahme der Lungenfunktion assoziiert ist als die Verwendung vergleichbarer Produkte als Flüssigkeit oder Gel.3
6. Vorsicht bei Geschirrspülmittel/-tabs
Denn sie enthalten Tenside und weitere Hilfsstoffe, von denen nach dem Spülvorgang geringe Rückstände auf Geschirr verbleiben können. Ob diese Mengen im Alltag gesundheitlich relevant sind, ist bislang nicht abschließend geklärt. Aus Vorsorgegründen kann es dennoch sinnvoll sein, sparsam zu dosieren, Geschirr gründlich nachzuspülen und möglichst cleane Produkte zu verwenden. Eine Laborstudie konnte zeigen, dass Rückstände von Klarspülern aus gewerblichen Geschirrspülmaschinen in Zellkulturmodellen die Darmbarriere schädigten und Entzündungsprozesse auslösten.4 Als besonders problematisch erwiesen sich dabei Alkoholethoxylate, eine Gruppe nichtionischer Tenside. Die Ergebnisse dieser Laborstudie erlauben aber keine direkten Rückschlüsse auf die tatsächliche Gesundheitsrelevanz bei Menschen oder bei der Nutzung von normalen Haushaltsgeschirrspülern. Weitere Studien sind hier erforderlich.
Was reicht meistens völlig aus?
Für den normalen Haushalt genügen oft:
- Mikrofasertuch oder Baumwolltuch
- warmes Wasser
- etwas Spülmittel
- Essig (nicht auf Naturstein)
- Zitronensäure
- Natron
Die meisten Oberflächen benötigen keine aggressiven Spezialreiniger.
Unsere Empfehlungen für Haushaltshelfer
Essig
Essig eignet sich hervorragend zum Entfernen von Kalkablagerungen, beispielsweise an Wasserkochern, Duschköpfen oder Armaturen.
Wichtig: Natursteinoberflächen wie Marmor oder kalkhaltige Materialien sollten nicht mit Essig gereinigt werden, da die Säure die Oberfläche angreifen kann.
Natron
Natron ist ein echter Allrounder im Haushalt. Es kann Gerüche neutralisieren, leichte Verschmutzungen lösen und eignet sich beispielsweise zur Reinigung von Backofen, Kühlschrank oder Mülleimer.
Viele Menschen nutzen Natron außerdem, um unangenehme Gerüche aus Schuhen oder Textilien zu reduzieren.
Zitronensäure
Zitronensäure ist eine gute Alternative zu Essig und besonders beliebt zum Entkalken von Wasserkochern, Kaffeemaschinen oder Armaturen.
Da sie geruchsneutraler ist als Essig, wird sie von vielen Menschen als angenehmer empfunden.
Kernseife
Kernseife gehört zu den Klassikern unter den Haushaltshelfern. Sie eignet sich für zahlreiche Reinigungsaufgaben und kann beispielsweise zum Entfernen von Flecken auf Kleidung oder zur Reinigung verschiedener Oberflächen verwendet werden.
Oft reicht bereits eine kleine Menge aus.
Mikrofasertücher
Nicht immer braucht es zusätzliche Reinigungsmittel. Hochwertige Mikrofasertücher können viele Verschmutzungen bereits mit Wasser entfernen und helfen dabei, den Einsatz von Reinigungsprodukten zu reduzieren.
Besonders für die tägliche Reinigung sind sie oft eine praktische und unkomplizierte Lösung. Einschränkend muss man dazu sagen, dass Mikrofasertücher meist aus Kunststofffasern bestehen und sie beim Waschen Mikroplastik freisetzen können. Für die eigene Gesundheit ist die Nutzung nach aktuellem Wissensstand wahrscheinlich unproblematisch, die Umweltbelastung durch freigesetzte Mikrofasern ist jedoch ein Kritikpunkt. Wer Mikroplastik möglichst vermeiden möchte, kann auf Naturfasertücher aus Baumwolle, Leinen oder Zellulose ausweichen
Putzschwamm-Alternativen
Viele herkömmliche Putzschwämme bestehen aus Kunststoffen wie Polyurethan und können durch Abrieb Mikroplastik freisetzen. Ob dies gesundheitlich relevant ist, ist bislang nicht abschließend geklärt. Aus Umwelt- und Vorsorgegründen können Schwämme aus Cellulose, Naturfasern oder waschbare Reinigungstücher eine sinnvolle Alternative darstellen. Unabhängig vom Material sollten Reinigungsschwämme regelmäßig gewechselt werden, da sich in feuchter Umgebung leicht Keime vermehren können.
Ätherische Öle – mit Vorsicht einsetzen
Viele natürliche Reinigungsrezepte enthalten ätherische Öle. Sie können zwar angenehm riechen, sind aber nicht automatisch harmlos. Manche Menschen reagieren empfindlich auf Duftstoffe, und insbesondere in Haushalten mit Babys sollte auf eine intensive Beduftung verzichtet werden.
Für die Reinigungswirkung sind ätherische Öle in der Regel nicht notwendig.
Was kann man beim Kauf von Putzmitteln beachten?
Bei Reinigungsmitteln sind weniger die Marke als vielmehr die Inhaltsstoffe entscheidend. Für Schwangere und Familien mit kleinen Kindern sind möglichst einfache, biologisch abbaubare und vorzugsweise duftstofffreie Produkte sinnvoll. Orientierung bieten unabhängige Siegel wie das EU Ecolabel, ECOCERT, Ecogarantie oder NCP.
Beispiele für Hersteller mit vielen ökologisch zertifizierten oder duftstoffarmen Produkten sind Sonett, Klar EcoSensitive, AlmaWin, Frosch, Claro, Ecover und Mother Earth.
Fazit
Während der Schwangerschaft kann es sinnvoll sein, die Belastung durch stark reizende Reinigungschemikalien möglichst gering zu halten. Besonders chlorhaltige Reiniger, stark parfümierte Produkte, Desinfektionsmittel ohne klare Indikation sowie Sprühreiniger sollten eher sparsam eingesetzt werden. Für die tägliche Reinigung reichen meist einfache, möglichst duftstofffreie Produkte, regelmäßiges Lüften und einige bewährte Hausmittel vollkommen aus.
Dabei geht es nicht darum, jeden Inhaltsstoff zu vermeiden oder den eigenen Haushalt komplett umzustellen. Oft genügt es, bewusst auf möglichst einfache und gut verträgliche Produkte zu setzen und die Zahl der verwendeten Reinigungsmittel auf das Wesentliche zu beschränken.
Für einen sauberen Haushalt braucht es in der Regel keine große Auswahl an Spezialprodukten. Hausmittel wie Essig, Natron, Zitronensäure und Kernseife sowie gute Reinigungs- oder Mikrofasertücher decken viele alltägliche Aufgaben zuverlässig ab. Das spart nicht nur Verpackungsmüll und Kosten, sondern sorgt oft auch für mehr Übersicht im Alltag.
Perfektion ist dabei nicht das Ziel. Schon kleine Veränderungen können dazu beitragen, unnötige Belastungen für Mutter und Kind zu reduzieren, ohne auf Sauberkeit und Hygiene verzichten zu müssen.
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FAQs:
Muss ich in der Schwangerschaft auf bestimmte Putzmittel verzichten?
Ein generelles Verbot gibt es nicht. Sinnvoll ist es jedoch, den Kontakt mit stark reizenden Reinigern wie Chlorbleiche, Schimmelentfernern, stark parfümierten Produkten oder aggressiven Sprays möglichst zu reduzieren.
Sind natürliche Reinigungsmittel automatisch sicherer?
Nicht unbedingt. Auch natürliche Inhaltsstoffe können Haut, Augen oder Atemwege reizen. Entscheidend sind die Inhaltsstoffe und die richtige Anwendung, nicht allein die Bezeichnung „natürlich“.
Brauche ich für einen hygienischen Haushalt viele Spezialreiniger?
Nein. Für die meisten alltäglichen Reinigungsaufgaben reichen wenige Produkte wie Spülmittel, Essig, Zitronensäure, Natron, Kernseife und gute Reinigungstücher völlig aus.
Darf ich Essig und Zitronensäure in der Schwangerschaft verwenden?
Ja. Beide eignen sich gut zum Entkalken und Reinigen im Haushalt. Wichtig ist lediglich, Essig nicht auf Naturstein oder kalkhaltigen Oberflächen zu verwenden.
Sind ätherische Öle in Reinigungsmitteln unbedenklich?
Nicht immer. Ätherische Öle können Allergien auslösen oder empfindliche Atemwege reizen. Für die eigentliche Reinigungswirkung sind sie meist nicht notwendig.
Ist Putzen in der Schwangerschaft grundsätzlich gefährlich?
Nein. Problematisch können vor allem stark reizende Reinigungschemikalien, schlechte Belüftung oder das Einatmen von Sprühnebeln sein. Mit einfachen Produkten, guter Lüftung und etwas Vorsicht ist Putzen in der Regel unproblematisch.
Worauf sollte ich beim Kauf von Reinigungsmitteln achten?
Bevorzuge möglichst einfache, biologisch abbaubare und duftstoffarme Produkte. Orientierung können unabhängige Siegel wie das EU Ecolabel, ECOCERT, Ecogarantie oder NCP bieten.
Quellen
- Svanes Ø, Bertelsen RJ, Lygre SHL, Carsin AE, Antó JM, Forsberg B, et al. Cleaning at Home and at Work in Relation to Lung Function Decline and Airway Obstruction. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 2018;197(9):1157–1163.
DOI: 10.1164/rccm.201706-1311OC ↩︎ - Lee, S., Povey, A., Seed, M., & van Tongeren, M. (2024). Respiratory and Other Hazard Characteristics of Substances in Cleaning Products Used in Healthcare Centres in England and Wales. Safety and Health at Work, 15(3), 368–372. https://doi.org/10.1016/j.shaw.2024.04.007 ↩︎
- Svanes Ø, Bertelsen RJ, Lygre SHL, Carsin AE, Antó JM, Forsberg B, et al. Cleaning at Home and at Work in Relation to Lung Function Decline and Airway Obstruction. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 2018;197(9):1157–1163.
DOI: 10.1164/rccm.201706-1311OC ↩︎ - Ogulur I, Pat Y, Aydin T, Yazici D, Rückert B, Peng Y, Kim J, Radzikowska U, Westermann P, Sokolowska M, Dhir R, Akdis M, Nadeau K, Akdis CA. Gut epithelial barrier damage caused by dishwasher detergents and rinse aids. J Allergy Clin Immunol. 2023 Feb;151(2):469-484. doi: 10.1016/j.jaci.2022.10.020. Epub 2022 Dec 1. PMID: 36464527. ↩︎